Operationen an den großen Gefäßen ohne Herz-Lungen-Maschine
Persistierender Ductus arteriosus Botalli ( PDA)
Der Zugang zur Aorta descendens und zum Ductus art. Botalli erfolgt am leichtesten über einen seitlichen bogenförmigen Hautschnitt am Brustkorb. Im 4.Interkostalraum werden die Rippen auseinandergespreizt, entfernt werden muß dabei keine Rippe. Die wichtigen Gefäße werden nun dargestellt, der Ductus Botalli durchtrennt und an beiden Seiten doppelt übernäht.
Bei Frühgeborenen wird der Ductus Botalli über den gleichen Zugang mit einem Clips verschlossen.
Ab einem Gewicht von 3 kg wird der offene Ductus am Kinderherz-Zentrum Linz wahlweise auch endoskopisch (mit Knopflochtechnik) verschlossen. Dabei werden über 4 kleine Schnitte am Brustkorb die endoskopischen Instrumente eingeführt und der Ductus wie beim Frühgeborenen mit einem Clips zugedrückt.
Aortenisthmusstenose
Der Zugang zum verengten Teil der Aorta erfolgt am leichtesten über einen seitlichen bogenfömigen Hautschnitt unter dem linken Schulterblatt. Im 4.Interkostalraum werden die Rippen auseinander gespreizt, entfernt werden muß dabei keine Rippe. Die verengte Stelle der Aorta und die benachbarten Gefäße werden nun dargestellt und der Aortenbogen und die Aorta descendens ausreichend mobilisiert.
Der verengte Gefäßabschnitt muß bei der Operation zur Gänze entfernt werden , ebenso angrenzendes Gewebe des Ductus Botalli, um ein Wiederauftreten der Verengung zu vermeiden. In der Regel gelingt es, die beiden Enden der Aorta direkt miteinander zu vernähen. Dies geschieht mit resorbierbarem Nahtmaterial, sodaß das Wachstum des Gefäßes nicht behindert wird.
Operationen an der Herz-Lungen-Maschine
Allgemeines
Operationen an der Herz-Lungen-Maschine können an speziellen Zentren heute bereits im Neugeborenen- und Säuglingsalter mit größter Sicherheit durchgeführt werden.
Das alte Behandlungskonzept bei komplizierten Fehlbildungen des Herzens, welches mehrere stufenweise Operationen ohne Herz-Lungen-Maschine bedeutete, ist daher heute an modernen Zentren verlassen und von der sogenannten frühen Vollkorrektur abgelöst worden. Dabei sollen alle Fehlbildungen an Herz und großen Gefäßen bereits bei einer Operation im frühen Alter behoben werden.
Bei allen Herz-Operationen im Kindesalter wird das Brustbein der Länge nach durchtrennt und der Brustkorb einige Zentimeter weit aufgespreizt. Der Herzbeutel, ein Sack aus straffem Bindegewebe, wird eröffnet und meist ein schmaler Streifen entnommen.
Um am Herzen selbst operieren zu können, muß für diese Zeit die Herz-Lungen-Maschine die Funktion von Herz und Lungen unterstützen bzw. übernehmen (Bypass-Zeit). Wird im Inneren des Herzen operiert, wie z. B. beim ASD, VSD, AV-Kanal etc., muß das Herz für diese Zeit ruhiggestellt werden und schlägt dabei nicht (Klemmzeit).
Das bedeutet, daß das venöse, sauerstoffarme Blut, das sonst vom rechten Herz in die Lunge gepumpt wird, über ein oder zwei Kunststoffschläuche in die Herz-Lungen-Maschine geleitet wird. Dort wird es mit Sauerstoff angereichert und über einen Schlauch in die Aorta gepumpt, von wo es den ganzen Körper versorgt. Die Lungen werden in dieser Zeit nicht beatmet.
Abhängig von der Operationsdauer wird die Körpertemperatur während der Bypass-Zeit abgesenkt, um den Stoffwechsel zu bremsen und Sauerstoff zu sparen.
Viele Operationen benötigen eine kurze Phase der Klemmzeit. Dabei wird die Blutversorgung des Herzens abgeklemmt und das Herz mit eiskalter, kaliumreicher Lösung durchspült, sodaß es zu schlagen aufhört. Das Herz verbraucht dabei fast keine Energie und übersteht diese Zeit im allgemeinen ohne Schaden zu nehmen. Wird das Herz wieder mit warmem Blut durchströmt, fängt es spontan zu schlagen und pumpen an.
Ist die Operation am Herz beendet und arbeitet das Herz wieder kräftig genug, kann die Leistung der Herz-Lungen-Maschine langsam reduziert werden, bis das Herz den Kreislauf wieder vollständig betreibt. Die Lungen werden jetzt wieder mit einem Beatmungsgerät beatmet.
Vorhofseptum-Defekt (ASD II)
Nach Anschluß an die Herz-Lungen-Maschine wird bei Ruhestellung des Herzens die rechte Vorkammer des Herzens eröffnet.
Der Vorhofseptum -Defekt wird mit einem glutaraldehyd-fixierten Flicken aus eigenem Herzbeutelgewebe verschlossen.
Ventrikelseptum-Defekt (VSD)
Nach Anschluß an die Herz-Lungen-Maschine wird bei Ruhestellung des Herzens die rechte Vorkammer des Herzens eröffnet. Der VSD liegt in der Regel knapp unter der Trikuspidalklappe, sodaß der Defekt gut durch die geöffnete Klappe erreicht werden kann. Der Herzkammer wird dabei nicht eröffnet.
Der Verschluß des Defekts erfolgt entweder mit einem stoff-ähnlichen Kunststoffflicken aus Dacron (Polyester) oder mit einem glutaraldehyd-fixierten Flicken aus eigenem Herzbeutelgewebe.
Kompletter AV-Kanal : frühe Vollkorrektur
Nach Anschluß an die Herz-Lungen-Maschine wird bei Ruhestellung des Herzens die rechte Vorkammer des Herzens eröffnet. Die gemeinsame AV-Klappe, der Vorhofseptum- und der Ventrikelseptum-Defekt kommen dabei gut zur Ansicht. Die Herzkammern müssen dabei nicht eigens eröffnet werden.
Die beiden Septum-Defekte werden mit einem durchgehenden Flicken aus glutaraldehyd-fixiertem Herzbeutelgewebe verschlossen. Die gemeinsame AV-Klappe muß in gerechter Weise in zwei Hälften geteilt und diese zu beiden Seiten der "neuen" Scheidewand befestigt werden. Beide Klappen sollen danach dicht und die Ein-und Ausflußwege der Herzkammern nicht eingeengt sein.
Das Ziel der Frühkorrektur ist ein völlig normaler Blutfluss durch den Herz- und Lungenkreislauf.
Fallot´sche Tetralogie : frühe Vollkorrektur
Nach Anschluß an die Herz-Lungen-Maschine wird bei Ruhestellung des Herzens entweder der rechte Vorhof oder der Ausflußtrakt der rechten Hauptkammer eröffnet.
Einengende Muskelbündel im Ausflußtrakt der Kammer werden durchtrennt bzw. entfernt. Der Ventrikelseptum-Defekt wird mit einem stoff-ähnlichen Kunststoffflicken aus Dacron (Polyester) oder mit eigenem Herzbeutelgewebe verschlossen.
Der verengte Abschnitt des Ausflußweges in die Lungenarterie muß mit einem ausreichend breiten Streifen aus Herzbeutelgewebe erweitert werden. Betrifft die hochgradige Verengung auch die Lungenarterienklappe, wird diese entfernt und der Streifen bis in die Lungenarterie eingenäht.
Das Ziel der Operation ist ein völlig normaler Blutfluss durch Herz- und Lungengefäße.